Kaschmir


Luxuswolle, die aus der Kälte kommt



Kaschmir gilt als weißes Gold und ist so kostbar wie beliebt. Doch wie und wo wird die hochfeine Wolle eigentlich gewonnen – und was macht sie so wertvoll?

Statt auf flachen, satten Wiesen lebt die Kaschmirziege in den abgelegenen Hochebenen des Himalayas. Dort, wo sich die Ländergrenzen der Mongolei, Chinas und Pakistans treffen. Extrembedingungen statt Bergidylle. Hier, in bis zu 5.000 Meter Höhe, sind die Sommer heiß und die Winter unerbittlich. Minus 50 Grad sind keine Seltenheit.

Die Kaschmirziege lässt das jedoch auf ihre Weise kalt: Mit ihrer dichten Wolle ist sie bestens geschützt – vor eisigem Wind und kaltem Regen wie vor enormer Hitze. Deshalb ist diese Wolle als Material auch so universell: Ein Kaschmirpullover lässt sich dank seiner atmungsaktiven Struktur bei Frost ebenso tragen wie bei strahlendem Sonnenschein.

banner

Für die Produktion ist nur ein Bruchteil des Ziegenhaars interessant, das auch als weißes Gold bekannt ist. Die Rede ist vom feinen Unterhaar, das zwischen 15 und 19 Mikrometern dünn ist. Das menschliche Haar ist bis zu fünfmal so dick. Die Ausbeute von einer einzigen Ziege liegt bei durchschnittlich nur zwischen 150 und 200 Gramm – pro Jahr! Dies ist einer der Gründe dafür, dass Kaschmir so exklusiv ist.

Um an das kostbare Unterhaar zu gelangen, werden die Tiere während des natürlichen Fellwechsels zum Frühjahr ausgekämmt. Der größte Erzeuger des luxuriösen Rohmaterials ist heute China: Von den jährlich 26.000 Tonnen, die weltweit gewonnen und weiterverarbeitet werden, entfallen rund 18.100 Tonnen auf die Volksrepublik. Neben der Feinheit und Länge der Haare ist die Farbe ein entscheidendes Qualitätsmerkmal, das sich auch im Preis bemerkbar macht. Naturweißes Kaschmir ist am teuersten, da es sich besonders leicht verarbeiten und beliebig einfärben lässt. Der Preis pro Kilogramm kann auf 60 und sogar auf bis zu 150 Euro klettern. Je heller die Fasern, desto teurer ist der Rohstoff. Wird er mit andersfarbigen Fasern vermischt, sinkt der Wert.

Zur Weiterverarbeitung wird das Rohmaterial beispielsweise nach Xingjiang gebracht, wo sich rund 2.000 Manufakturen auf die Produktion der begehrten Luxusfaser spezialisiert haben. Im ersten Schritt wird die Ware in Handarbeit von Verunreinigungen wie Holzstücken, Pflanzen- und Gräserresten sowie kleineren Steinen befreit. Bis zu drei Mal wird das sortierte Material dann gewaschen, gekämmt und gelockert, bevor es getrocknet wird. Die folgenden Kämmprozesse holen auch noch die letzten Schmutzpartikel und Grannenhaare (das lange Oberhaar der Ziege) aus dem kostbaren Rohstoff. Zurück bleibt eine sehr überschaubare Menge: reines Kaschmir. Fein und unendlich weich.

banner

Die letzte Perfektionsstufe erreicht das Rohmaterial beim Färben. Bevor die Farbe mit dem Material in Kontakt kommt, wird mittels Computeranalyse eine spezielle Mischung festgelegt. Das lose Vorgarn, zu dem die Kaschmirfasern nach dem Färben und Trocknen versponnen werden, ist jedoch noch lange nicht einsatzbereit. Erst rotierende Spindeln verwandeln die empfindliche Ware in robuste und widerstandsfähige Garne, die dann ihre Reise in Mode-Ateliers auf der ganzen Welt antreten.

Auch in der Herbst/Winter-Kollektion 2016/17 von Baldessarini spielt die edle Faser, die unter so schwierigen Bedingungen gewonnen wird, eine tragende Rolle. Für die Kollektion ließ sich das Design-Team von der Heimat der Kaschmirziege, der Mongolei inspirieren.

Neben Mänteln und Cardigans aus Kaschmir bietet die Kollektion auch Schals, die aus der hochfeinen Wolle gestrickt sind.

- Foto "Kaschmir Ziege": iStock.com/Tetiana Ryshchenko -