Die Trendfarbe Oxblood – und wie Mann sie trägt

Gelungener Akzent


In der Männermode sind Rottöne kein leichtes Thema. Es sei denn, sie kommen so markant und herrlich kombinierbar daher wie das „Ochsenblut“.

Eines der spannendsten Orakel der Modewelt ist in Carlstadt zuhause, einer Stadt in New Jersey mit knapp 6000 Einwohnern. Hier sitzt seit 53 Jahren die Firma Pantone, spezialisiert auf exakte Farbkarten für diverse Branchen. Sämtliche Nuancen des Regenbogens und mehr haben diese Spezialisten genauestens benannt und katalogisiert. Aus diesem schier unerschöpflichen Repertoire wählt eine Jury einen ganzen Strauß an Farben, die für eine bestimmte Laufsteg-Saison stilprägend sein könnten.

Verbindlich ist dieser Kanon natürlich nicht, jedes Modehaus entscheidet selbst, welcher Empfehlung es folgt – und ob eine ganze Kollektion von einer „Colour of the Year“ dominiert wird oder bloß hier und da Akzente damit gesetzt werden. Immer wieder stehen dabei Rottöne im Mittelpunkt, so beispielsweise 2015 „Marsala“, ein mattes Rotbraun.

Für Lasse Holger Mitterhusen, Creative Director von Baldessarini, war ebenfalls ein Rot besonders inspirierend für seine Herbst/Winterkollektion 2016/2017: ein kühler, etwas blaulastiger Rotton, der sich hinter dem Zahlenkürzel „19-1624 TCX“ verbirgt und in der Pantone-Palette „Sassafras“ heißt. Das märchenhaft klingende Wort bezeichnet einen Baum aus der Familie der Lorbeergewächse, der in den USA heimisch ist, außerdem den höchsten Berg von South Carolina und ein legendäres französisches Galopprennpferd. Wer sagt da noch, Mode sei kein spannendes Thema!

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Ebenfalls ein echter Hit ist in dieser Saison ein sattes Dunkelrot mit dem gefährlich klingenden Titel „Oxblood“, das im Programmiercode #800020 heißt. Es ähnelt dem bekannten Burgunder, enthält aber mehr Lila- und dunkelbraune Farbpigmente. Der Name reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück und bezeichnet, man kann es sich denken, das intensive Rot von Ochsenblut. Das übrigens schon damals zum Färben von Textilien benutzt und mit zunehmender Oxidation immer bräunlicher wurde.

Ganz so rustikal geht es glücklicherweise heute in Designateliers und Webereien nicht mehr zu. Und so finden sich in der aktuellen Baldessarini Kollektion etliche Stücke, die der Farbe Oxblood etliche Outfit-Facetten entlocken – vom Rollkragenpullover aus feiner Merinowolle über Jeans im Regular Fits bis hin zum Slim-Fit-Sakko mit aufwändigem Strukturmuster. Warme, dunkle Rottöne eignen sich klassisch als gelungener Akzent zur gesamten Graupalette, natürlich auch zum Blauspektrum und ebenfalls intensivem Grün.

Eher eine Sommerkombi – und auch dann noch ziemlich mutig – ist der Mix mit Gelb. Sagt das Farbschema, mit dem sich in jedem Fall passende Töne auf einem Rad „erdrehen“ lassen ().

Weit gefälliger und tragbarer ist da der mit viel Liebe zum Detail entworfene Pullover namens „Kimon“ aus der Baldessarini Kollektion: Hier treffen nicht nur Oxblood und weitere Rot- sowie Orangetöne kongenial aufeinander, sondern auch melierte Blockstreifen und ein Jacquard-Flechtmuster an den Unterarmen. Die 100-prozentige Schurwolle ist mit flauschig-weichen Alpakafasern durchmischt, was dieses Stück nicht nur optisch sondern auch beim Tragekomfort zu einem Highlight macht.

Mit Oxblood ist das Thema Rot natürlich noch lange nicht beendet, schließlich warten noch unzählige weitere Nuancen auf ihre modische Entdeckung: Kaminrot, Kastanienbraun, „Electric Crimson“, Ziegelrot, „Redwood“, Rubinrot, „Rosso Corsa“, Scharlachrot, Weinrot …