Digital Detox


Es geht auch offline



„Road Warrior – Stopping by Rivers“ lautet das Kollektionsthema von Baldessarini für Herbst/Winter 2016/2017. Doch wie schaltet man(n) eigentlich richtig ab?

Nomadenvölker haben es Lasse Holger Mitterhusen angetan. Nicht nur Farben und Stilelemente ihrer Kleidung und Jurten, sondern vor allem ihr einfaches Lebensmodell begeistern den Chefdesigner von Baldessarini: Sie haben keinen Strom- oder gar Internetanschluss – geschweige denn ein Smartphone. Mitterhusen selbst ist bekennender Digital-Detox-Fan. Phasen ohne E-Mail-Flut und permanente Status-Updates sind für den 47-Jährigen mehr als eine Entdeckung wert.

Denn eine digitale Auszeit – das weiß mittlerweile auch die Wissenschaft – kann uns nicht nur helfen, unsere vielen Geräte, sondern vor allem auch unsere eigenen Akkus in Ruhe aufzuladen. Das macht uns produktiver und gesünder – und wer weiß, vielleicht kommt Ihnen gerade offline die nächste große Business-Idee.

Womöglich denken Sie einmal aus einer ganz anderen Perspektive über Ihr Leben nach. Oder Sie gehen mit Ihren besten Freunden mal wieder ausgiebig in den Sport-Club. Oder unternehmen mit der Familie eine Abenteuer-Tour. Alles kann. Nichts muss.

Aber halt - schalten Sie jetzt trotzdem nicht gleich Computer oder Tablet aus! Vorher haben wir noch ein paar nützliche Tipps für Sie.

banner

Wie geht Digital Detox?

Eigentlich ist es ganz simpel. Drücken Sie einfach den Off-Button auf allen Geräten: Smartphone, Tablet, Laptop und natürlich Computer. Und zwar für mindestens 24 Stunden. Fertig!

Na ja, so einfach wird es dann wahrscheinlich doch nicht. Schließlich sind wir es mittlerweile gewohnt, rund um die Uhr vernetzt zu sein. Daher sollten Sie sich einen kleinen Schlachtplan zurechtlegen. Hier die wichtigsten Punkte:

1. Motivation

Überlegen Sie, warum genau Sie eine Digital-Detox-Pause einlegen wollen. Ist es zum Beispiel ein Experiment, um zu sehen, wie es ist, in einer immer digitaleren Welt gegen den Strom zu schwimmen? Haben Sie das Gefühl, dass Sie Ihr System vorübergehend von digitalem Ballast befreien müssen? Brauchen Sie Freiraum, um in Ruhe nachzudenken? Oder wollen Sie endlich wieder mehr Zeit mit den wirklich wichtigen Menschen in Ihrem Leben verbringen?

2. Der richtige Moment

Suchen Sie sich ein Zeitfenster, in dem es auch realistisch ist, dass Sie für 24 Stunden offline bleiben. Wochenenden und Urlaubstage sind daher ideal. Sie können Digital Detox auch als regelmäßige Einrichtung an einem festen Tag (z. B. Samstag) einführen. Teilen Sie Ihren Kollegen, Freunden und Ihrer Familie frühzeitig mit, dass Sie nicht über E-Mail und Handy erreichbar sein werden. Einige kündigen ihre digitale Abstinenz auch über Facebook, Instagram und Twitter an (Lieblings-Hashtag: #digitaldetox).

3. Pläne schmieden

Überlegen Sie rechtzeitig, was Sie in der freien Zeit unternehmen wollen. Nichts ist schlimmer, als Däumchen zu drehen und dabei ständig zum ausgeschalteten Smartphone auf dem Esstisch zu schielen. Sicher haben Sie ein längst sträflich vernachlässigtes Hobby. Waren Sie früher nicht häufiger beim Training? Vielleicht gesellen Sie sich auch mal wieder zum Kreis der Leute, die auch ohne E-Reader einen spannenden Thriller lesen können. Oder Sie probieren mal etwas ganz Neues aus. Buchtipp: „100 Dinge, die MANN einmal im Leben getan haben sollte“ von Joachim Groh.

4. Ausloggen

Jetzt wird’s ungemütlich. Viele verspüren nach dem Ausloggen nicht sofort Erleichterung. Es könnte ja noch eine wichtige Mail gekommen sein, eine Facebook-Nachricht – oder womöglich sind neue Likes für das letzte Instagram-Foto eingetrudelt? Bitte widerstehen Sie jetzt jeglicher Versuchung! Warten Sie ab. Nach einiger Zeit legt sich das Gefühl von allein. Mal schneller, mal langsamer. Hatten Sie nicht seit Wochen vor, die Garage aufzuräumen? Los geht’s! Stürzen Sie sich in Ihre geplanten Aktivitäten.

banner

5. Geniessen!

Viele Detoxer merken erst fernab von Facebook-Posts, Online-Shopping-Touren und YouTube-Videos, wie viel Zeit Sie tatsächlich für sich, für Freunde und Familie zur Verfügung haben. Einige können regelrecht klarer denken, sie schlafen besser und fühlen sich wie neu aufgeladen. Genießen Sie das in vollen Zügen und rufen Sie sich die Vorteile des Digital Detox nochmals konkret in Erinnerung, bevor Sie die Auszeit beenden.

6. Einloggen

Achtung, je nach Dauer Ihrer Pause könnte Sie die Rückkehr in die digitale Welt überfordern: Hunderte von ungelesenen Mails, neue Freundschaftsanfragen usw. Erinnern Sie sich jetzt, worum es beim Digital Detox ging: um eine neue Perspektive auf die Dinge. Schauen Sie hin und definieren Sie neu, was wirklich wichtig ist – und was nicht unbedingt (sofort) Ihre Zeit und unmittelbare Aufmerksamkeit benötigt. Melden Sie sich beispielsweise von ein paar unwichtigen Newslettern ab. Testen Sie neue digitale Strategien! Vielleicht reicht es auch aus, wenn Sie E-Mails und Social-Media-Kanäle nur zu festen Zeiten, etwa alle zwei Stunden checken?

7. Wiederholung, bitte!

Jetzt heißt es: dranbleiben. Hoffentlich bleibt Ihr erster Digital-Detox-Versuch nicht der einzige. Planen Sie die nächste Computerpause ein und schauen Sie, ob Sie beim zweiten Anlauf schon 48 Stunden aushalten. Machen Sie Detoxing zur regelmäßigen Trainingsroutine. Letztlich ist es nicht anders als Jogging oder der Gang ins Fitnesscenter. Trainieren Sie den Durchhaltemuskel! Wenn Sie erst einmal die Vorteile erkannt haben und zu schätzen wissen, drücken Sie schon bald wieder den Off-Button. Garantiert!

- Fotos: -